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04 · Die Dauer

Haben die Sieben Schläfer wirklich 200 Jahre geschlafen?

Die überlieferten Zahlen schwanken stark. Die historische Distanz zwischen Decius und Theodosius II. liegt bei rund 200 Jahren – die Texte nennen oft mehr.

~200 Jahre historischer Abstand
309 Jahre im Koran (Sure 18)
372 Jahre bei Jakob von Sarug

Was die Überlieferungen sagen

Die meisten christlichen Fassungen, die auf Jakob von Sarug (~500) zurückgehen, geben 372 Jahre an. Der Koran (Sure 18, Al-Kahf) nennt 309 Jahre („dreihundert Jahre und neun dazu“). Andere Chronisten kommen näher an den historischen Abstand: Georgios Kedrenos mit 170 Jahren, Jacobus de Voragine mit 196 Jahren.

Der historische Rahmen der Legende – Flucht unter Decius (249–251) und Erwachen unter Theodosius II. (408–450) – umfasst realistisch etwa 190–200 Jahre. Die höhere Zahl 372 führt, rückwärts gerechnet, ins 1. Jahrhundert und in die Nähe der neronischen Verfolgung – was die Dramatik der Erzählung verstärkt.

Schlafzeiten in den Quellen

Quelle Überlieferte Dauer Anmerkung
Jakob von Sarug (~500) 372 Jahre Älteste erhaltene christliche Fassung
Koran, Sure 18 309 Jahre „Dreihundert und neun dazu“
Jacobus de Voragine (~1270) 196 Jahre Näher am historischen Abstand
Georgios Kedrenos 170 Jahre Eine der kürzeren Angaben
Historischer Rahmen ~190–200 Jahre Decius bis Theodosius II.

Nicht Chronologie, sondern Theologie

Die Schwankungen zeigen: Die Schlafdauer ist literarisch und theologisch geprägt, nicht als präzise Geschichtsschreibung gemeint. Für die Menschen des 5. Jahrhunderts ging es um den Beweis, dass Gott Zeit anhalten und den Leib auferwecken kann – gegen die Zweifler ihrer Zeit.

Im Koran dient die Erzählung einem anderen Zweck: dem Vertrauen auf Gott unter Verfolgung und dem Hinweis, dass nur Gott die genaue Dauer und Zahl kennt. Der Text warnt ausdrücklich vor dem Streit darüber.

Ob die Sieben „wirklich“ 200 Jahre geschlafen haben, ist mit den vorhandenen Quellen nicht zu entscheiden. Die Legende behauptet es. Die historischen Daten passen ungefähr. Die genaue Zahl gehört zur Erzählung, nicht zur Archäologie.