Woher stammt die Sieben-Schläfer-Legende?
Eine spätantike Erzählung aus dem christlichen Osten, die nach Westen wanderte und im Koran eine eigene Form fand – und bis heute in zwei Religionen lebendig ist.
Vom Gerücht zur Weltgeschichte
Die Legende entsteht im spätantiken christlichen Osten. Vermutlich existierte bereits um 500 eine vollständige Version. Die älteste erhaltene Fassung stammt vom syrischen Dichter Jakob von Sarug: eine Homilie in Versen. Von hier aus wandert die Geschichte in alle Richtungen – griechisch, lateinisch, koptisch, äthiopisch und später arabisch.
Um 580 bringt Gregor von Tours die Erzählung in seiner lateinischen Sammlung Passio septem dormientium nach Gallien und damit ins lateinische Europa. Im 7. Jahrhundert erhält die Geschichte im Koran ein eigenes Kapitel: Sure 18, Al-Kahf („Die Höhle“), Verse 9–26. Viele Musliminnen und Muslime rezitieren sie bis heute freitags.
Meilensteine
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um 250
Opferedikt des Decius
Reichsweite Anordnung, den Göttern zu opfern. Erste systematische Christenverfolgung. Der Rahmen der Legende.
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um 446
Das Erwachen (in der Erzählung)
Unter Theodosius II. wird die Mauer geöffnet. Die Episode mit der veralteten Münze macht die Sieben im Osten bekannt.
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um 500
Jakob von Sarug schreibt sie auf
Älteste erhaltene Fassung als Homilie in Versen. Ausgangspunkt der schriftlichen Tradition.
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um 580
Gregor von Tours bringt sie nach Westen
Lateinische Fassung erreicht Gallien und das lateinische Europa.
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7. Jahrhundert
Sure 18 Al-Kahf
Die Gefährten der Höhle erhalten ein eigenes Kapitel im Koran. Die Erzählung wird islamisch neu ausgerichtet.
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Mittelalter
Ein Datum im Kalender
Der 27. Juni wird zum Siebenschläfertag. In Mitteleuropa heftet sich daran die Bauernregel über das Wetter der folgenden sieben Wochen.
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1927/28
Die Grabung
Österreichische Archäologen legen am Panayır Dağı die Nekropole mit Kirche und hunderten Gräbern frei.
Dieselbe Geschichte, zwei Bücher
Christentum und Islam erzählen die Geschichte fast deckungsgleich. Sie unterscheiden sich in den Zahlen, in den Namen und vor allem darin, wozu sie erzählt wird. Im Christentum dient sie als Beweis der leiblichen Auferstehung. Im Islam als Zeichen der Macht Gottes über die Zeit und des Schutzes für die Standhaften.
Genau darin liegt die Merkwürdigkeit: Nicht das Wunder in der Höhle, sondern die Tatsache, dass eine Erzählung aus dem spätantiken Kleinasien in beiden Traditionen überlebt hat – unabhängig weitergegeben und in beiden bis heute lebendig. Sie ist eine der wenigen gemeinsamen Erinnerungen, die niemand erst konstruieren musste.